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Frankreichs Afghanistan-Einsatz

"Ziel verfehlt, französische Soldaten getroffen?"

Carolin Lohrenz

Artikel vom 20.08.2008 Letzte Aktualisierung am 21.08.2008 06:22 TU

Blitzbesuch bei den Truppen( Photo : Reuters )

Auch nach dem Tod von zehn französischen Soldaten bei Kabul und heftiger Gegenwehr der Opposition will Präsident Nicolas Sarkozy seine Afghanistan-Politik nicht revidieren.

Sarkozy kam heute zu einem Blitzbesuch nach Kabul. Er sprach den Militärangehörigen sein Beileid aus. Vor den Soldaten kam er auf den Sinn der französischen Truppenpräsenz in Afghanistan zurück.

"Ich bin gekommen, um Ihnen zu sagen, dass Ihre Arbeit hier unerlässlich ist. Damit meine ich nicht nur euch französische Soldaten, sondern die Soldaten aus allen Teilen Europas. Denn, warum ist ganz Europa hier, warum haben sich die großen demokratischen Staaten mit uns verbündet? Ganz einfach, weil es hier um die Freiheit in der Welt geht, weil hier der Kampf gegen den Terrorismus geführt wird - gegen Menschen, für die das Leben und die Menschenwürde keinen Wert haben. Wir kämpfen nicht gegen die Afghanen, sondern an ihrer Seite; um ihnen zu helfen und sie angesichts der Barbarei nicht allein zu lassen." 

Sarkozy flog anschließend sofort nach Frankreich zurück. Der afghanische Präsident Hamid Karzai drückte ebenfalls sein Beileid aus. Er legte den Alliierten außerdem nahe, die Trainingszentren und die Finanzquellen der Terroristen - so wörtlich- "im Auge zu behalten".

Schwerwiegende Koordinations-Probleme

Taliban-Kämpfer hatten eine Patrouille der Schutztruppe ISAF in einen Hinterhalt gelockt. Dabei waren 10 französische Soldaten getötet worden. Elf der verletzten französischen Soldaten kamen unterdessen in Paris an. Sie wurden in Militärkrankenhäuser verlegt.

Laut Informationen der Abendzeitung LE MONDE widersprachen einige Soldaten der offiziellen Version zum Hergang der Kämpfe. Verletzte Soldaten hätten demnach "die Langsamkeit der Reaktion des Kommandos" beklagt. Außerdem habe es "schwerwiegende Koordinationsprobleme" gegeben, berichten Soldaten in der Donnerstags- Ausgabe der Abendzeitung.

Trafen Luftangriffe der NATO französische Soldaten?

Demnach musste die an einem Pass östlich von Kabul angegriffene Einheit "vier Stunden ohne Verstärkung" ausharren. Dies erkläre auch die hohe Zahl der Opfer, die - anders als vom Generalstab in Paris behauptet - nicht gleich zu Beginn der Kämpfe getötet worden seien. Zudem verfehlten nach dem Bericht Luftangriffe der NATO auf die Angreifer ihr Ziel "und trafen französische Soldaten".

Der Generalstabschef des französischen Heeres wollte sich nicht zu den konkreten Vorwürfen in dem Bericht äußern. Er sagte in Paris, die Trauer der Angehörigen respektieren zu wollen. Es sei zu früh, "die Lehren aus diesem Ereignis zu ziehen".

"Zwei Hubschrauber, keine einzige Drohne"

In Frankreich wallte die Kritik heute dennoch auf. Verteidigungsminister Hervé Morin räumte schwere Fehler bei der Mission ein. Der Journalist und Verteidigungsspezialist Jean Dominique Mercher bemerkte so, dass die Taliban über die französische Patrouille informiert waren und diese ohne Aufklärungsflüge losmarschiert seien.

„Es gab keine, weil Frankreich nicht ausreichend Hubschrauber in Afghanistan hat. Zwei Hubschrauber, keine einzige Drohne. Das heißt, man führt Krieg wie früher. Man läuft zu Fuß los, steigt aus dem Fahrzeug, und dabei wird man eben beschossen. Kein Geld. Keine Mittel. Wenn Frankreich mehr Hubschrauber hätte, hätte das vermieden werden können. Die Franzosen waren zum ersten Mal in der Region. Sie mussten über einen Hügel. Konnten also nicht sehen, was hinter der Kuppe vor sich ging. Nein, Frankreich betreibt eine Kriegsführung wie in Algerien in den 50er Jahren. Und das in Zeiten der "intelligenten Kriegsführung!"

"Endloser Krieg ohne Ziel"

Der sozialistischen Abgeordnete Pierre Moscovici beklagte einen "endlosen Krieg ohne Ziel". Oppositionschef François Hollande forderte, das Afghanistan-Mandat neu zu definieren. Der Oberkommandierende der Zone "Kabul Zentrum", General Michel Stollsteiner, betonte, dass der Einsatz mit dem Machtzuwachs der Taliban schwieriger geworden sei.

„In Einsatzgebieten wie Afghanistan gibt es keine Routine. Man muss überraschen, um nicht selbst überrascht zu werden. Hier hat man uns kalt erwischt; Unser Gegner ist ausdauernd. Er kennt die Region. Von Tag zu Tag verstärkt er seine Manöver. Die Zeiten, in denen die Taliban einen Hinterhalt auf Gut Glück planten, sind vorbei. Hier haben sie uns eine mustergültige Falle gestellt. Diejenigen, die gefallen sind, haben ihre Soldatenpflicht erfüllt. Das Wichtigste ist nun, die Mannschaft wieder zusammenzuschweißen.»

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